Schweizerischer Verband der Immobilien-Treuhänder (SVIT) (Hrsg.), Das schweizerische Mietrecht – Kommentar, Schulthess Verlag, Zürich Basel Genf 2008, 1062 Seiten

In kaum einem Gebiet des Privatrechts scheinen sich zwei Gruppen so klar definiert gegenüber zu stehen wie im Mietrecht. Die Fronten: die Schweizer Immobilienwirtschaft, die Hauseigentümer, deren Verbände und die Investoren auf der einen, die Mieter und deren Verbände auf der anderen Seite. Glücklicherweise zeigt sich die Realität weniger polarisiert. Mancher Immobi-lienbewirtschafter ist Mieter und die Pensionskassen zahlreicher Mieter investieren in Immobilien. Zudem verläuft die überwiegende Mehrheit der Mietverhältnisse klaglos, wenn auch nicht immer gesetzeskonform. Kommt es allerdings zu Dissonanzen, so greift der Laie oder der Fachmann zum Gesetz und findet in drei von vier Fällen keine schlüssige Antwort.
Auf beiden Seiten, bei Mietern wie Vermietern, besteht eine berechtigte Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen gesetzlichen Grundlage. Diese Unzu-friedenheit ist nicht nur rein inhaltlicher Natur. Dass das Gesetz – entgegen der Absicht der Verfasser – einen Laien in Ermangelung nötiger Klarheit und unter Aufzwingung formalistischer Spiessrutenläufe zur Verzweiflung bringen kann, ist unbestritten. Die Rechtsprechung präsentiert zudem auch nicht immer befriedigende Lösung sondern verkompliziert manch ohnehin schon verzwicktes Problem.
Wer Hilfe in der Literatur sucht und die Anschaffung eines Sachbuches in Betracht zieht, wird früher oder später den Kommentar zum schweizerischen Mietrecht, herausgegeben vom Schweizerischen Verband der Immobilien-Treuhänder (SVIT), in Betracht ziehen. Auf 1062 Seiten setzen sich verschiedene Autoren, allesamt fachlich und sprachlich versierte "Mietrechtler", mittlerweile in der 3. Auflage mit Gesetz und Rechtsprechung auseinander.
Die Autoren stellten sich unter anderem der Aufgabe, dem Praktiker Grenzen und Gefahren in der Anwendung des Mietrechts aufzuzeigen und daraus abgeleitete Empfehlungen zu vermitteln. Dass sie dabei in erster Linie Praktiker auf der Vermieterseite als potentielles Publikum im Visier hatten, versteht sich schon allein aufgrund der Identität des Herausgebers. Der kritische Leser muss sich dieser "Grundhaltung" der Autoren denn auch bewusst sein. In der einen oder anderen Bemerkung zur Rechtsprechung ist denn auch ab und an ein gewisses ideologisches Feuer spürbar. Aber die einzelnen Autoren waren sich ihrer Einstellung immer bewusst und Minderheitenmeinungen oder von der Rechtsprechung abweichende Auffassungen sind grundsätzlich auch als solche deklariert.
In der Form folgt der Kommentar der Struktur des Gesetzes. Dies ist für den Laien nicht immer einfach. Allerdings ist diese Form für den Praktiker, der mit der Handhabung des Gesetzes vertraut ist, von Vorteil. Der Zugriff erfolgt in der Regel schneller als bei einem Lehrbuch, das nicht als Kommentar ausgestaltet ist.
Das grösste Plus dieser dritten Auflage ist jedoch der aktualisierte Stand: Die zweite Auflage erschien vor ca. zehn Jahren. Die Rechtsprechung wurde für die aktuelle dritte Auflage bis Oktober 2007 berücksichtigt. Damit wurde die bei der Konsultation älterer Werke stetig begleitende Unsicherheit des Ratsuchenden beseitigt. Bei der Aktualisierung beschränkten sich die Autoren auch nicht etwa nur auf bundesgerichtliche Entscheide, es fanden auch Urteile unterer Instanzen Erwähnung, wenn sie zur Klärung einer Frage beitragen.
Für den damit verbundenen Aufwand wird den Autoren noch mancher Anwalt und manche Anwältin dankbar sein, da sie ihm oder ihr die peinliche Situation, vor dem Gericht zu stehen und mit der Rechtsprechung nicht vertraut zu sein, ersparen. Dass es für die Fachperson im täglichen Berufsleben beinahe unmöglich ist, sich dahinge-hend auf dem Laufenden zu halten, ist offensichtlich.
Im Zusammenhang mit der Aktualisierung der Rechtsprechung und auch vor dem Hintergrund neuer Problemfelder – Stichwort "Fluglärm" – wurden einzelne Gebiete, insbesondere das Kapitel "Mängel" stärker überarbeitet. Ob sich die in diesem Kapitel festgehaltene Ansicht allerdings auch in der Rechtsprechung durchzusetzen vermag, ist fraglich. Allerdings liefert sie dem Interessenvertreter überzeugende, in sich schlüssige Argumente. Zugleich bestätigen diese Ausführungen aber auch die Vermutung, dass manche Überlegung stark von einem bestimmten Ziel geleitet wurde und gegenteilige Auffassungen weniger Berücksichtigung fanden.
Wenn sich die Ratsuchenden dieser latenten Einseitigkeit allerdings bewusst sind, finden sie im "SVIT" einen sprachlich klaren, umfangreichen, übersichtlichen und topaktuellen Ratgeber, bei dem unter Berücksichtigung des Ladenpreises von rund CHF 300.- behauptet werden kann, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.

Tobias Kunz, Rechtsanwalt, Zürich